Rachid Haroun – Virtuose der andalusisch-algerischen Musik
Rachid Haroun zählt zu den herausragenden Interpreten der andalusisch-algerischen und Chaabi-Tradition. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme und dem virtuosen Spiel auf der algerischen Mandola, einer speziell in Algerien entwickelten Variante der Mandoline, entführt er sein Publikum in die faszinierende Klangwelt einer jahrhundertealten Musik. Die algerische Mandola zeichnet sich durch tiefe, warme Klangfarben aus, hat oft sechs bis acht Saiten in Doppelchören und wird traditionell in der Chaabi-Musik sowie bei Noubas verwendet, um melodische und rhythmische Strukturen zu tragen.
Die Wurzeln der Musik Rachid Harouns reichen zurück nach Al-Andalus, ins maurische Spanien des Mittelalters. Nach der Reconquista und dem Exil zahlreicher muslimischer und jüdischer Bevölkerungsschichten verbreitete sich ihre Kultur im Maghreb. Mit ihnen gelangte die komplexe Musiktradition, die heute als andalusisch-algerische Musik bekannt ist. Im Zentrum stehen die Noubas, ausgedehnte Musikzyklen, die auf den Maqamat (klassische modale Tonsysteme) basieren und die emotionale Tiefe, Melodik und rhythmische Struktur prägen.
Rachid Haroun wurde 1965 in Algier geboren und wuchs im Musikviertel Djenane El Mabrouk auf. Bereits im Alter von sieben Jahren begann er auf Empfehlung seines Bruders Moussadie eine formelle Ausbildung an der Musikschule von Belfort-El Harrach, zunächst auf der Snitra (Mandola), später auf der Kamendja (Geige). Parallel entwickelte er seinen Gesang, der später zum Markenzeichen seiner Aufführungen wurde.
Seine Ausbildung führte er an den Musikschulen Essendoucia und El Fakhardjia fort, wo er das arabisch-andalusische Erbe Algeriens vertiefte. Unter seinem Lehrer und Meister Noureddine Saoudi perfektionierte er die Interpretationskunst der Noubas und erlernte die kunstvolle Verbindung von Maqam, Rhythmus und Ausdruck. Früh arbeitete er mit klassischen Musikern Algeriens zusammen und trat in nahezu allen Städten des Landes auf, wodurch er seine Technik und künstlerische Ausdruckskraft kontinuierlich verfeinerte.
Für seine erste Solo-CD wählte Rachid eine Vielfalt von Liedern, deren Klänge entlang des gesamten Mittelmeers zu hören sind – eine musikalische Reise durch die Geschichte und Vielfalt der andalusisch-algerischen Musik.
Heute tritt Rachid Haroun bei Konzerten, Festivals und Kulturveranstaltungen in Deutschland und weltweit auf. Mit seinem Spiel auf der algerischen Mandola und seinem Gesang trägt er dazu bei, das andalusisch-algerische Erbe lebendig zu halten, es weiterzuentwickeln und einem internationalen Publikum zugänglich zu machen – ein kulturelles Erbe, das Tradition, Geschichte und Emotion auf einzigartige Weise miteinander verbindet.

